Hearthstone – Glücksspiel? Pay-to-Win? Geldfalle?

Ich habe vor Jahren etliche Euros in dem World of Warcraft Sammelkartenspiel versenkt. Sowohl in Booster-Packs, was einem Glücksspiel gleichkam, als auch in einzelne Karten bei eBay.
Aufgehört habe ich nur, weil sogar in einer so großen deutschen Stadt wie Berlin es aufwändig war, andere Spieler zu treffen. Es gab nur einige wenige Spieleläden, die leider weit weg waren und zu mir ungünstigen Zeiten Treffen organisierten. Zu dem waren die Besucher solcher Treffen oft fast noch Kinder... Allerdings spielten die Kinder fast ausschließlich das Yogi-Oh Kartenspiel.

Doch ich mochte das Spielprinzip der TCGs sehr und suchte nach einer Möglichkeit, online gegen Andere spielen zu können. Aber: So was gab es nicht. Damals jedenfalls nicht.

Dann kam noch der Hammer, BÄM!: Blizzard entzog dem Vertreiber die Lizenz und das WoW-kartenspiel wurde quasi eingestellt.

Als Blizzard Hearthstone: Heroes of Warcraft ankündigte, war ich wohl einer der ersten, die sich für die Closed-Beta meldeten. Glücklicherweise kam ich auch relativ früh in die Beta und lernte dieses Spiel richtig lieben. Zwar ist es verglichen mit dem original World of Warcraft TCG (Trading Card Game) enorm vereinfacht, aber Spielspaß ist vorhanden!

Jetzt habe ich auch ein Paar Euros in dieses Spiel investiert, und ich hatte mit den Boostern so ein enormes Glück, dass ich fast all die Karten habe, die ich auch haben wollte. Das Glück blieb sogar bei den Boostern bestehen, die ich mir per In-Game-Gold gekauft habe. Ich lese allerdings auch häufig, das andere zig Booster öffnen und kaum einer von denen eins der so genannten und heiß begehrten Legendarys erhalten. (Legendarys sind Karten, die relativ mächtig sind, aber trotzdem durch normale Karten gekontert werden können; sie bedeuten also keinen automatischen Sieg!).

Aus schlechter Erfahrung habe ich mir bei Hearthstone aber ein Euro-Limit gesetzt, dass ich in diesem Spiel einsetzen wollte (50€). Zwar schon längst erreicht, aber ich halte mich immer noch eisern an mein Limit. Denn durch die physischen Kartenspiele habe ich gelernt, das diese Sache mit den Boostern ein Glücksspiel ist. Und bei Glücksspielen, die Spaß machen können, ist eine feste Obergrenze, die man sich setzen sollte und an die man sich sklavisch hält, sehr wichtig. Sonst verliert man Haus-und-Hof! Na ja, nicht ganz. Aber man wacht irgendwann auf und sieht, dass das ausgegebene Geld nicht ganz in Relation zum Spielspaß steht.
Allerdings sind drei  Sachen sehr verlockend bei Sammelkartenspielen, die auf Boostern mit zufälligem Inhalt basieren:

  • Erstens gibt es fast nichts prickelnderes, als das Umdrehen der Karten, um zu sehen ob man DIESMAL das große Los gezogen hat,
  • zweitens wenn man zu den Sammler-Naturen gehört, der Vervollständigung seiner Sammlung näher zu kommen,
  • drittens das Experimentieren mit verschiedenen Deckzusammenstellungen macht (mir) unheimlich Spaß!

Das ergänzt durch relativ kurze (ca. 15 - 30 min), spannende, taktische/strategische Spiele gegen andere Spieler (PvP!) macht eine ganze Menge von Hearthstone aus. Und das verlockt zum Geld ausgeben. Ihr merkt meine Schwerpunktverlagerung? Natürlich sollte das Spielen an sich am wichtigsten sein...

Muss man Geld ausgeben, um mit Hearthstone Spaß zu haben? Nein! Hearthstone ist Free-to-Play. Einige Spieler haben gezeigt, dass man lange Spaß haben kann ohne einen einzigen Euro in das Spiel zu investieren. Ihre Experimente bestanden darin sich mit Basiskarten auf der regionalen ranked Ladder bis zum Rang 1 hoch zu spielen. (Basiskarten sind Karten, die man nur durch das Spielen des Spiels erhält) Diese Spieler haben nur Booster mit In-Game-Gold gekauft, das man allein durch das Spielen des Spiels gewinnt. Sucht bei YouTube einfach z.B. mal nach "Trump Free Mage". Trump ist ein bekannter Spieler in der Hearthstone-Szene, der oft abendlich seine Hearthstone-Spiele bei Twitch streamed. Ach was, ich habe das mal für euch gemacht. Hier das erste Video aus seiner Free-mage-Serie:

Warum habe ich aber so viel Geld investiert in das Spiel? Weil mir Karten gefehlt haben, die zum Sieg führen? Nein, ich habe nur gemerkt, dass mir zu meinen Deckexperimenten einige Karten fehlen (schlau eingefädelt von Blizzard). Man kann in Hearthstone allerdings Karten aus dem eigenen Besitz "zerstören" und bekommt dafür eine Menge einer zweiten In-Game-Währung, die landläufig einfach nur "Staub" genannt wird. Diesen Staub kann man dan verwenden, um in der Werkstatt sich andere Karten herzustellen. Ein cooles Prinzip in meinen Augen, sich von Karten zu entledigen, die man nicht braucht, um sich gewünschte zu basteln. Mit dem Booster-Glück und der Möglichkeit sich andere Karten selber herstellen zu können, habe ich mehr oder weniger alles zusammen was ich mir bisher wünschen würde.

Zum Thema Glück im Spiel: Natürlich basieren Sammelkartenspiele, egal ob online oder offline, auch auf Glück, doch das Glück schafft oft neue Herausforderungen, die man mit seinem Deck bewältigen muss. Und wenn man einigermaßen was vom Deckbau versteht, kommt man mit solchen Glücks- bzw. Unglückssituationen relativ gut klar. In solchen Spielen wie Sim City oder Banished kann man auch einstellen, dass man zufällige Katastrophen haben will. Warum habe ich diese Option immer eingeschaltet? Wegen der Herausforderung, auch solche Situationen zu meistern! Natürlich kann es sehr unglückliche Kartenziehsequenzen geben, durch die man auch gegen "schwächere" Gegner verlieren kann. Wenn mir das passiert, sag ich einfach "Pech gehabt!". ♦

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Commander Z

Bewegte Bilder mit Künstlicher Intelligenz dahinter haben mich immer schon fasziniert. Ich spiele seit Jahrzehnten schon Computerspiele und beobachte den Spielemarkt mit Spannung. Ab und an gebe ich meinen Senf dazu, in dem ich auf diesem Blog meine gedanklichen "Notizen" verewige. Meine Lieblings-Genre sind zur Zeit MMO, MMORPG, Hack&Slay, Rennspiele, RTS, TBS, Grand-Strategy und Shooter. Ich besitze zwar auch Spiele-Konsolen wie die Nintendo Wii, Sony Playstation 3, Playstation 4 und einen Nintendo DS, aber spiele auf diesen kaum bis selten.

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2 Gedanken zu “Hearthstone – Glücksspiel? Pay-to-Win? Geldfalle?

  1. Beitragsautor

    Du hast einige valide Punkte. Aber Geld für Unterhaltung auszugeben als dekadent zu bezeichnen kann ich nicht ganz nachvollziehen.
    So gesehen geben viele Menschen sehr viel Geld für (in meinen Augen) unsinniges Zeug aus. Aber: Und? Wenn es ihnen Spaß macht?!

    Es wäre folgerichtiger, generell das Zeit- und Geldverschwenden für Computerspiele für dekadent zu erklären. Auf der anderen Seite gibt es aber schlimmeres in unserer Gesellschaft was man eher mal anpacken müsste 😉

    Nun, ist dies ein Blog über Computerspiele... Und es macht uns eben SPAß 🙂

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  2. Jepa

    Das Trump Bsp ist schlecht gewählt ! Trump hat sich auf eine Klasse fokussiert und alle anderen Karten entzaubert,nun das macht aber kein normaler Spieler ! Zum anderen hat man Trump den ein und anderen Sieg geschenkt und sein Deck beinhaltete zig rar und eine Epic Karte.

    Zum Thema Glück, jener Trump hat mit seinen F2p Shamanen z.Z eine Siequote von 62% ergo, der Glücksfaktor und das Deck bilden den Schwerpunkt, dagegen das korrekte Spielen selbst, was manche als Skill bezeichnen, dürfte wohl bei 10-15 % pendeln. Was auch Sinn macht, immerhin geht es sich beim dem Spiel nur um den kommerziellen Gewinn ... ob das für ein TCG Normal ist oder nicht ist belanglos, das Konzept ist einfach nur verachtenswert, die reinste Geldverschwendung, aber solche Dekadenz steckt dem Westen wohl schon im Blute.

    MFG

    Antwort

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