Zukunft Gebrauchtspiele: Viva la Game-o-lución!

Was haltet ihr davon: Ich komme gleich bei euch vorbei und lösche euer Internet? Ihr bekommt es erst nach einer Woche auf 51/4 Zoll Disketten wieder. Könnt ihr ohne Internet leben? Kein Tante-Google, kein Onkel-Wikipedia, Mama-Facebook, Papa-Youtube und für Gamer: Keine Online-Spiele und keine Downloads mehr? Kein Fucking-Origin und kein Uberfucking-uPlay und kein Sucking-Steam. Kein Sterbendes-World of Warcraft, kein Verhutetes-Team Fortress 2.
Schluck. Undenkbar? Natürlich haben wir früher ohne Internet überlebt. Früher haben wir auch auf Bäumen gelebt und uns gegenseitig gelaust. Das ist sehr viel früher gewesen? Einige scheinen heute noch auf Bäumen zu leben. Egal. Worauf ich für uns Gamer hinaus will ist: Bald wird das Internet tatsächlich noch wichtiger als es jetzt ist. Und das nicht nur für die Always-Online-Spieler-Spezies mit weißer Keller-Kind-Haut.
Eigentlich geht es mir gar nicht um das Internet an sich, sondern um die Möglichkeit sich Bits&Bytes für Unterhaltung auf die Platte oder in ein Gerät zu schaufeln.

Vor langer langer Zeit ging man als Gamer in einen Laden in einem abgewrackten Bezirk voller Junkies, Dealern und Kleinkriminellen, in eine noch abgewracktere Seitenstraße voller Hundekot und vollgepissten Häuserecken. Man stand vor überfüllten Regalen mit bunten Millimeter-hoch verstaubten Spiele-Verpackungen, nahm sich was man suchte, legte dem Verkäufer ein paar Scheine, noch gute echte Deutsch Mark, auf den Thresen und spazierte glücklich festgekrallt an eine riesige bunte Pappschachtel verstohlen nach Hause. Angekommen installierte man das Spiel von Diskette/CD, meldetet sich bei Schule/Arbeit als krank und zockte die nächsten Nächte durch. Wenn man genug vom Zocken hatte, Hände und Augen schmerzten, verkaufte man es einfach an den nächsten, der hechelnd bereit war den verlangten Preis zu zahlen. Und als Student war ich immer bereit, diese abgegriffenen zerdrückten Schachteln dem unrasierten Verkäufer mit fettigen Haaren begierig abzunehmen.
Sobald ich aber den Kaufpreis entrichtet hatte war das Spiel meins ! JA, MEINS ! Und keiner konnte mir verbieten damit zu tun und zu lassen was ich wollte. Ich hätte mir aus den CD-ROMs der durchgespielten Spiele ein Mobile basteln können, das beschwingt im Wind glitzerndes Licht ins Zimmer reflektiert hätte, um in meiner privaten Disco dazu nackt zu tanzen. Oder ich hätte mit ihnen Mini-Diskus-Werfen üben können für die nächsten Six-Pack-After-Olympics im Görli. Kein Schwein konnte mir vorschreiben was ich mit MEINEM Spiel tat. Und ja: Ich konnte es wieder verkaufen! Ganz nach trivialen Marktgesetzen von Nachfrage und Angebot. Kapitalismus für den Kleinen Man. Nein, nicht nur für die unter 1,50m.

Als PC-Gamer der modernen Zeit und Dumpingpreisen bei Steam&Co. hat sich die Sache mit "gebrauchten" Spielen auf PC für mich erledigt. Doch als ich unerwarteterweise eine PS3 mein Eigen nannte, und mir ein aktuelles Spiel kaufen wollte, fielen mir fast meine Glubscher aus dem Kopf. Da wurden im nächsten Konsum-Tempel Apothekerpreise von 60€ bis 70€ und mehr aufgerufen. Wucher! Scheiß Kapitalisten! Welt-Revolution! So war ich plötzlich wieder interessiert an Zweit-, Dritt- und Viertnutzung von Spielen. An Spieleschachteln mit Kaffeeflecken und Hunde-Knabber-Kerben. Und anderen Gesellschaftsmodellen. Ich war froh, dass das auf den Konsolen noch ging. Das mit dem Spielen von Gebrauchtspielen. Denn sonst hätte sich mein Interesse an der PS3 schnell gelegt. So schnell wie mein Interesse an Welt-Revolution und der Diktatur des Game-o-toriats.

Jetzt kommt Microsoft daher mit ihrer gerade angekündigten Mehr-TV-als-Game-Next-Gen-Konsole Xbox ONE, und so nebenbei zwischen Zähneputzen und Gute-Nacht-Küsschen erfährt man dann, dass die Zeiten für gebrauchte Spiele endgültig vorbei sind! Nicht mehr der Besitz eines Spiels zählt, sondern das Nutzungsrecht. Nutzungsrecht. Das mit Meins ist Geschichte. Das Bleibende ersetzt durch das Vergängliche. Abhänig vom Wohlwollen von einigen Kapi... äh Geschäftsleuten. Also doch die Welt-Revolution? Zwar kann jeder sein Spiel an Händler seines Vertrauens verkaufen, aber hat einer von euch schon mal was an einen Händler verkauft? Diese finanzieren sich von dem, was sie euch nicht abgeben, ihren nächsten Urlaub auf Fuerteventura samt Harem-Inklusive hingeschippert mit eigener Yacht und ihren nächsten Maserati. Ansonsten müsst ihr den beliebigen privaten Käufer erst 30 Tage "Freund" nennen und M$ muss das auf ihrer Plattform tracken, bevor ihr das Spiel an euren verhassten Nachbarn verkaufen könnt. Wie geil. Das wird Schule machen. Allerdings gibt es von Schoni noch keine eindeutigen Aussagen wie das mit der PS4 sein wird. Die Verhandeln bestimmt noch mit Microsoft. Quasi um das Schweigegeld.

Mein Medienkonsumverhalten hat sich in den letzten Jahren dramatisch geändert. Das einzige was ich physikalisch noch erwerbe sind Musik CDs. Und das nur wegen meinem religiös-fanatischem Vodoo-Qualitäts-Glauben. Der Heini, der anständige, bezahlbare Audio-CD-Qualitäts-nahe Download-Musik anbietet, bekommnt mein Geld. Er darf aber nicht den Anschein machen, vor meinem Abtreten aus dieser Welt aus dem Markt abzutreten. Außer ich kann die Musik permanent bei mir speichern. Dann sind auch CDs Geschichte für mich. Spiele für PC und Filme sind schon fast nur noch rein digital vorhanden. Spiele z.B. über Steam befinden sich noch auf meiner Festplatte, aber Filme werden auschließlich von verschiedenen Anbietern gestreamt.
Den Nachteil dieser Art von Konsum habe ich auch schon zu spüren bekommen. Mein Film-Dienst hatte vor einige Monaten einfach mal entschieden die Folgen der Serie LOST nicht mehr anzubieten. Ich hatte mich aber erst gearde zur Staffel 3 von 6 durchgekämpft. Oder erst kürzlich mit meinem Might&Magic Heroes 6 DRM Debakel. Fürchterlich. Genau so fürchterlich wie das ziemlich begrenzte digitale Angebot bei Filmen. Ältere Filme, vor allem solche, die nicht unbedingt zum Mainstream gehören, kann man lange suchen.
Zu dem bauen Einige Publisher gerade eine künstliche Alterung in Ihre Spiele ein. Jüngstes Beispiel ist das neue SimCity 5. Da haben die Entwickler einige Berechnungen in die so tolle Cloud ausgelagert. Somit kann der Publisher nach Belieben die Cloud abschalten, womit das Spiel einfach nicht mehr spielbar ist. Weil natürlich das neue SimCity in den Regalen der Händler steht. Pardon. Nicht in den Regalen, auf den Nuklear-und-EMP-geschützten Downloadservern von Publishern. Die Regale müssen EAs Dagobert-Duck-Geldspeichern weichen.

Alles in allem muss ich mal jubeln und mal kotzen. Ich werde wohl an alle Publisher und Konsolenhersteller folgenden Drohbrief schreiben müssen:
"Ihr habt nicht mehr genug Zeit, folgende Bedingungen zu erfüllen. Ansonsten pub' ich euch ins Gesicht:
* Sichert mir zu, dass ich rein digitale Spiele zu jeder auch unchristlichen, unislamischen, unjüdischen oder sonstigen un- Zeit downloaden oder patchen kann. Ich will keine 99,9%ige Zusicherung sondern eine 200%ige, weil bei euch scheinbar 99,9% real viel viel weniger sind!
* und zwar mit einer Affengeschwinidigkeit, ach nein, mit einer Wahnsinns-Geschwindigkeit, sonst müsst ihr zur Strafe jeden Tag 10 mal Spaceballs mit schmerzenden Augenklemmen schauen!
* Nehmt mir, nie und nie und nie das Recht weg mein Spiel zu spielen wann immer ich es will, auch in 50 Jahren nicht, und es geht euch nichts an, ob ich dann noch sehen, hören, kauen oder mir den Arsch abwischen kann
* Ich habe mein durch Erniedrigung/Spaß hart verdientes Geld in das Spiel gesteckt, also will ich das durch Erniedrigung/Spaß hart verdiente Geld eines anderen, wenn ich keinen Bock mehr auf das Spiel habe und ihm das Recht überlassen will, und zwar ohne irgendwelche bekloppten Regeln durch euch. Sonst schreibe ich euch auch vor wie ihr euer Geld machen sollt!

Freiheit für Gamer!
Viva la Game-o-lución!

Commander Z
(nein, Z steht nicht für Zorro, sondern für euer Ende)"•

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Commander Z

Bewegte Bilder mit Künstlicher Intelligenz dahinter haben mich immer schon fasziniert. Ich spiele seit Jahrzehnten schon Computerspiele und beobachte den Spielemarkt mit Spannung. Ab und an gebe ich meinen Senf dazu, in dem ich auf diesem Blog meine gedanklichen "Notizen" verewige. Meine Lieblings-Genre sind zur Zeit MMO, MMORPG, Hack&Slay, Rennspiele, RTS, TBS, Grand-Strategy und Shooter. Ich besitze zwar auch Spiele-Konsolen wie die Nintendo Wii, Sony Playstation 3, Playstation 4 und einen Nintendo DS, aber spiele auf diesen kaum bis selten.

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2 Gedanken zu “Zukunft Gebrauchtspiele: Viva la Game-o-lución!

  1. Schaut hier: http://news.xbox.com/2013/06/update

    Ok. Da rudern die Damen und Herren auch schon zurück. Die haben Angst bekommen, dass sich die Xbox ONE so super schlecht verkaufen wird.
    Vielleicht auch etwas Druck von den Partnern?
    Oder doch die objektiven und subjektiven Proteste der Gamer-Community?
    Jedenfalls behaupten sie, sie hätten "uns" zugehört und verstanden, was wir wirklich wollen.
    Ich hoffe nur, dass das kein Trick ist 😉

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