Die Geschichte von Prda Hrztz

Wir schreiben das Jahr 2014. Prda Hrztz hat sich bei einer Firma beworben. Das Bewerbungsgespräch verläuft auch ganz gut und es sieht tatsächlich prima aus für Prda. Doch dann kommt die Ablehnung. Prda ist schwer verdutzt und neugierig was denn nun der Grund für seine Ablehnung ist. Ein guter Freund, der in der selben Firma arbeitet lässt durchsickern warum: Man hat mal nach ihm gegoogelt. Neben seinen Social-Network-Accounts fand man tonnenweise Forenbeiträge im offiziellen Forum eines Online-Computerspiels. Man hat daraus einiges geschlossen. Erstens, dass er anscheinend sein ganzes Studium mit diesem Spiel verbracht und sehr viel gespielt hat und zweitens, dass Prda zum Flamen und Trollen neigt. Tja so ist das eben: Das Internet vergißt nichts. Jedenfalls nicht so schnell.

Ich weiß nicht was ich von der Idee von Blizzard halten soll, das man in Zukunft die Realnamen zu den Forenbeiträgen anzeigen will und keine Nicks mehr. Blizzard begründet das mit Trollen und Flames. Man wolle die Qualität der Foren steigern. Aber ich glaube die Qualität solcher Foren bestand in der schieren Menge an Menschen, die dort Beiträge verfassten.
Computerspiele haben in unserer Gesellschaft noch nicht ganz die kulturelle Akzeptanz erreicht wie etwa Filme oder Bücher. Zu dem sind genug Leute dabei, Computerspiele in den Dreck zu ziehen. Ich sag nur Killerspiel-Diskussion. Oder Sucht-Diskussion. Wer will da in RL mit Computerspielen in Verbindung gebracht werden? Die Konseqeunz könnte sein, dass in den offizielen Foren nicht mehr viel geschrieben wird. Das wiederum bringt den Betreibern ein enormes Einspar-Potenzial. Weniger Nutzer bedeutet auch weniger Wartungs-, Kontroll- und Betreuungsaufwand. Haha. Das könnte vielleicht der wahre Grund für die Realnamen sein.
Zu dem wird kolportiert, dass ein US Community-Manager für die frewillige Veröffentlichung seines Realnamen harte Konsequenzen tragen musste. Nich durch den Betreiber. Nach der Veröffentlichung wurden private Daten wie Adresse, Telefon und sogar Streetview-Ansichten von seinem Haus veröffentlicht. Telefon musste er schon mal abstellen und seinen Facebook-Account hat er auch löschen müssen.
Es gibt einfach auf der Welt noch zu viele Blödmänner. Ich denke immer an diese Aussage, dass ein Tropfen Öl Millionen Liter Trinkwasser versauen können.
Dann noch diese Vorstellung von Frauennamen in männerdominierten Spielen. Haha. Sehe schon die Beiträge vor meinem geistigen Auge: "Du bit eine Schlampe, denn du hast mich betrogen!". Oder Leute mit Namen nicht-deutschen Ursprungs wie Mehmet Ali: "Ihr Türken nehmt uns alles weg sogar die Fahrräder". Und der Schutz von Minderjährigen würde damit auch aufgeweicht sein. Oder wie wäre es seinen Mitschüler zu verkloppen weil dieser im Forum einen kritisiert und (zu recht) als blöd dargestellt hat?
Unklar ist, wie Blizzard sicherstellen will, das keine Fakenamen benutzt werden. Mal sehen wie viele Hans Arsch oder Erika Musterfrau heißen werden. Zwar könnten Zahldaten zur Verifizierung genutzt werden aber bezahlen denn alle personalisiert? Es gibt ja auch Spielzeit-Karten, mit denen man anonym Spielzeit hinzukaufen kann.

Aber abgesehen von all der Diskussion mit dem Für und Gegen. Blizzard mißachtet eines der Grundrechte eines Menschen im informationellen Zeitalter: Das Selbstbestimmungsrecht. Warum läßt Blizzard nicht jeden selbst entscheiden wie public einer sein möchte?

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Commander Z

Bewegte Bilder mit Künstlicher Intelligenz dahinter haben mich immer schon fasziniert. Ich spiele seit Jahrzehnten schon Computerspiele und beobachte den Spielemarkt mit Spannung. Ab und an gebe ich meinen Senf dazu, in dem ich auf diesem Blog meine gedanklichen "Notizen" verewige. Meine Lieblings-Genre sind zur Zeit MMO, MMORPG, Hack&Slay, Rennspiele, RTS, TBS, Grand-Strategy und Shooter. Ich besitze zwar auch Spiele-Konsolen wie die Nintendo Wii, Sony Playstation 3, Playstation 4 und einen Nintendo DS, aber spiele auf diesen kaum bis selten.

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3 Gedanken zu “Die Geschichte von Prda Hrztz

  1. MrGracy

    Das Problem bei dem prüfbar offen legen könnte eben auch sein, dass es einer als Herausforderung sieht die Datenbank bei z.B. Blizzard, in der die ganzen Daten gespeichert sind, zu hacken und diese dann zu leaken. Dann wäre es auch mit der Anonymität nach Außen vorbei.

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  2. Inzwischen ist Blizzard ja zurückgerudert. Erstmal ist das vom Tisch. Die massiven negativen Kommentare im offiziellen Forum (mehrere Tausend in wenigen Tagen) scheinen eine deutliche Sprache zu sprechen.

    @MrGracy: Ja, genau das wünsche ich mir im Internet auch. Man müsste nach außen anonym sein aber zum Betreiber seine Identität prüfbar offen legen. Allein das könnte vielleicht einige dazu bewegen ihre Beiträge gewissenhafter zu verfassen. Aber das mit dem "prüfbar offen legen" ist eben ein Problem im Internet.

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  3. MrGracy

    Meiner Meinung nach fehlt da wirklich die Möglichkeit anonym zu bleiben.
    Ich fände es in Ordnung, wenn man seine echten Daten angeben muss um einen Account zu erstellen (und das wird auch überprüft); so kann man auch in gewisser Weise verhindern, dass 10-jährige USK18-Spiele zocken oder dass sich Leute Fakeaccounts anlegen um in Foren zu trollen oder andere zu beleidigen.
    Aber nach außen sollten eben nur der Nickname oder vom Benutzer freigebene Daten angezeigt werden, denn ich denke jeder überlegt sich da wirklich wie oben schon erwähnt ob er sich beim Namen nicht ausversehen vertippen soll ...

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