Gibt es gute Spielezeitschriften?

Früher traute ich mich nicht mit meinem Spielemagazin auf einer Parkbank zu sitzen und zu lesen. Zu sehr belächelten die anderen einen fast 40 jährigen dafür, dass er gern am Computer ein Videospiel zockt. Dabei meine ich mit "die anderen" zum Beispiel die "ober-coolen" Erwachsenen, die nichts anderes kennen als mit ihren dicken Autos und manchmal mit ihren dünnen Freundinnen zu spielen.

Das mit dem Spielemagazin aber ist so ein Ding. Geht man in einen gut sortierten Zeitschriftenladen, fällt einem auf, dass fast alle Spielezeitschriften sich sehr ähnleln und kaum Inhalt bieten. Insbesondere die PC-Action fällt da enorm auf, weil sie übersät und durchzogen ist von pubertären Witzen und Bildern, die oft unter die Gürtellinie gehen. Aus Faulheit habe ich mich von meinem Abo erst dieses Jahr getrennt. Die meisten Mainstream-Zeitschriften sind super bunt, reich bebildert mit Fluten von Screenshots und behandeln Spiele sehr oft wie Waschmaschinen oder Kaffeeautomaten. Spiele werden in Bestandteile zerlegt und fast ausschließlich auf Massenkompatibilität getestet. Eigentlich haben sie alle langsam ihre Daseinberechtigung verloren, weil der informierte Gamer alles, was er an reinen Fakten wissen muss, aus dem Internet noch schneller und noch aktueller beziehen kann.

In den letzten Jahren scheint sich da bei den Magazinen etwas getan zu haben. Ich habe das aber erst heute mitbekommen, weil ich in letzter Zeit um diese für mich unnützen Zeitschriften immer einen Bogen gemacht habe. Zum einen gibt es die GEE (games entertainment education). Sie sieht schon anders aus als die Üblichen. Größer und in einem anderen, lockeren Design. Behandelt werden alle Themen zu Videospielen. Es gibt keine Spezialisierung auf irgenwelche Konsolen oder dem PC. Genau wie in den anderen Magazinen werden Spiele getestet und bewertet. Allerdings sucht man vergeblich nach irgendwelchen Prozentwerten oder Punkten, wie sie sonst nach einem Test abgedruckt werden. Etwas, was mir persönlich schon mal sehr gefällt, weil es den Redakteur zwingt, die Qualitäten eines Spiels detailliert sprachlich zu beschreiben und nicht dem Leser eine abstrakte Zahl vor die Nase zu setzen. Das erfordert natürlich Lesebereitschaft vom "Leser". Aber Leser mancher Zeitschriften lesen nicht gerne.
Wie der Name des Heftes schon ankündigt, geht es in diesem Magazin nicht nur um Spiele. Ein Teil beschäftigt sich auch mit Filmen und Musik. Jedoch sollte man hier nicht zu viel erwarten. Im aktuellen Heft z.B. erstreckt sich das auf ganze vier Seiten. Trotzdem eine nette Dreingabe und als Entspannung von den ganzen "Spielsachen" doch willkommen.

Eine andere Alternative, die Ple: (play aussprechen) wird gerade eingestellt. Es ist aber ein Nachfolger angekündigt, der auf der diesjährigen Games-Convention in Leipzig vorgestellt werden soll. Die Ple: reizte mich schon wegen des Untertitels: "Spielkultur für Erwachsene". Das merkt man schon an der Aufmachung. Allein wenn man nur so durchblättert, fällt einem die Ruhe im Heft auf. Der Text ist klar abgegrenzt zu den Bildern und somit im Mittelpunkt des Interesses. Die Farbwahl an matten Farben und nicht diesen optisch quietschenden, schrillen, entlastet das Auge zusätzlich.
Verglichen mit GEE, ist Ple: noch mehr inhaltlich orientiert. Aber was solls. Das Heft wird eh durch etwas neues ersetzt. Ich hoffe nur es wird Ple: inhaltlich und optisch nahekommen. Denn dieses Konzept konnte mich überzeugen. Jetzt warte ich gespannt auf diesen Nachfolger und frage mich, wann das Massenbegräbnis gewisser bunter Hefte stattfinden wird. Wenn ich mich so umsehe denke ich: Jedenfalls nicht bald.

Die mit den dicken Autos und den dünnen Mädels können jetzt von mir belächelt werden. Mit der GEE oder der Ple: unterm Arm brauch ich mich nicht mehr vertsecken. Die neidvollen Blicke kann ich ertragen. •

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Commander Z

Bewegte Bilder mit Künstlicher Intelligenz dahinter haben mich immer schon fasziniert. Ich spiele seit Jahrzehnten schon Computerspiele und beobachte den Spielemarkt mit Spannung. Ab und an gebe ich meinen Senf dazu, in dem ich auf diesem Blog meine gedanklichen "Notizen" verewige. Meine Lieblings-Genre sind zur Zeit MMO, MMORPG, Hack&Slay, Rennspiele, RTS, TBS, Grand-Strategy und Shooter. Ich besitze zwar auch Spiele-Konsolen wie die Nintendo Wii, Sony Playstation 3, Playstation 4 und einen Nintendo DS, aber spiele auf diesen kaum bis selten.

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5 Gedanken zu “Gibt es gute Spielezeitschriften?

  1. Ja finde ich auch schade.

    Leider war mir auf der Games Convention die Lust vergangen, nach dem Stand der Leute zu suchen. Denn da wollten sie ja den "Nachfolger" vorstellen.
    Ich hab da mal "recherchiert". Das Ergebnis kann man demnächst hier auf Zlog lesen.

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  2. Hi, habe vorher noch nie von der PLE gehört. Schade dass sich jetzt das Magazin zurückzieht bzw. unter nem neuen Namen rauskommt. Würde es mir gern mal anschauen. Zusammen mit der Gamestar und der GEE hätte ich dann ein riesen Spektrum abdecken können. 😉
    Find hyperfnords "Kritik" etwas fehl am Platz, allerdings bezweifle ich dass er das Ganze überhaupt ernst gemeint hat. Aussagen wie "sportiver Shooter" kommen mir etwas perplex vor. Es wurde ja schon oft propagiert dass Spiele gut für mensch und seele sind, aber sportiv sind PC-Spiele sicherlich nicht.
    Das höchste Maß an "Training" erlangt man bestimmt bei den o.g. Strategie und Managerspielen. (reizt den Geist und die Logik) Vorhergennante Shooter sind wohl eher was für die Reflexe. ICh könnte jetzt noch fortfahren, dann würde ich aber shooter anfangen zu kritisieren, dass möchte ich aber eigentlich nicht.

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  3. Ne mein Lieber. Du meinst ich sollte mich jetzt schon mal lieber um solche Fragen kümmern wie ob Verbrennen besser wäre als Verbuddeln? Und mich evtl. um einen schönen bequemen Sarg kümmern?
    Ne das gibt es bei mir noch nicht. Noch kann kann ich hören, sehen, sprechen und meine Finger bewegen. Ja und mein Gehirn kann sich noch Sachen merken.
    Ich habe schon immer viel lieber Strategie- und Managerspiele gespielt. Aber Spaß mit *anderen* hast du eben vor allem mit FPS und solchen Spielen wie WoW. Mir macht z.B. Battlefield 2 immer noch Spaß und ich kann mit den Kiddies mit massig Zeit zum Trainieren gut mithalten wenn ich will. UT und Quake haben als Spielprinzip eben ausgedient und werden nur noch aus nostalgischen Gründen gespielt.
    So und noch zum Thema: Das Problem mit den Zeitschriften habe ich schon lange. Hab mich bloß nie darum gekümmert weil mich solche Spiele wie WoW gefesselt haben.
    Wie dem auch sei. FPS waren mal eins der angesagtesten Genre. Aber nach der ganzen Clonerei hat sich das ausgespielt.
    Also dir noch viel Spaß beim Jagen armer 40 jähriger in einem veralteten FPS deiner Wahl 😉

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  4. hyperfnord

    Hm, früher warste schon fast 40? Mensch Commander, da ist der Zug ja wirklich langsam mal abgefahrn! Kann man ja hier auch gut nachverfolgen: Früher nochn sportiven Shooter (UT), dann schon so'n Strategie-Geschwuchtel mit Wanna-Be-1st-Person-Perspektive (das auch noch WoW! heisst...) und schließlich nur noch Literaturrezension. Lol sozusagen!
    Mein Tipp: Mal wieder die Hanteln rausholen, Bier nicht nachkaufen, schönen FPS installieren und wieder ordentlichen Aim kriegen - launt immer noch am besten und kost nich soviel Zeit weil man gegen die Kiddies eh schnell ins Gras beisst!

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