Killer World of Warcraft

World of Warcraft ist ein Zeitkiller.
World of Warcraft ist ein Beziehungskiller.
World of Warcraft ist ein Freundekiller.
World of Warcraft ist ein Bildungskiller.
World of Warcraft ist ein Wertekiller.
...

Aber ich, ich bin erlöst. Mir killt er nichts mehr! Fast meine gesamte Freizeit gehörte für mehr als ein Jahr nur einem Spiel: World of Warcraft. Nein, ich war nicht so gefangen wie andere. Zum Glück geht das in meinem Leben nicht. Das Leben hat mich wieder!
Aber sehen wir uns mal den Tagesablauf eines WoW Süchtigen an:
"Mittwoch 18 Uhr: Feierabend. Endlich! Ab nach Hause. Irgendein Schnellfraß reinstopfen. Am besten den Teller an den Rechner mitnehmen.
Rechner starten. Ungeduldig werden, weil XP so verwurschtelt ist und es dauert. Schließlich hab ich um 19 Uhr Treffen mit anderen. Virtuell in WoW natürlich.
Endlich die Schüssel hat die letzen Bits des Betriebssystems geladen. OMG! Heute war Patchday! World of Warcraft (WoW) versucht einen Patch runterzuladen. Damit ist der Abend gelaufen. Am liebsten will man den Rechner zertrümmern. Aber man ist ja gegen Gewalt.
Tja, verbringen wir die Wartezeit mit Planung. Jeder Tag in WoW muss richtig geplant werden. Schließlich will man erfolgreich seinen Charackter hochleveln. Und wenn er bei Level 60 angekommen ist, müssen wir wertvolle "Items" (Gegenstände wie Waffen, Rüstung, usw.) erkämpfen. Da werden einschlägige Seiten im Internet studiert. Werte von allen möglichen Gegenständen verglichen, Schatzkarten gesucht und eingeprägt. Stunden lang. Und zwischen durch immer ungeduldig nachsehen ob der Patch schon runtergeladen ist. Um die Zeit laden sich viele, unheimlich viele, das Ding runter.

Endlich nach fast 2 Stunden ist der Patch drauf. Oh nein! Die Addons, also die Zusatzprogramme, die ich so zum Spielen installiert hatte, funktionieren mit dem neuen Patch nicht. Und ohne Addons müsste ich fast alles "von Hand" erledigen. Schrecklich!
Soweit es geht also die neuen Versionen runterladen und installieren.
Endlich! Zwar hab ich nicht alle Addons gefunden, aber was solls. Man ist durch das "Dunkle Portal" durch und mitten im WoW drin.
Erst mal im Auktionshaus stöbern. Das Auktionshaus (AH) ist das eBay in WoW. Mist das Schwert XYZ für das ich 100 Gold geboten hatte, hat sich ein anderer geschnappt.
Das Vorhaben, heute wieder mal ins "Molten Core" zu gehen, lohnt sich nicht mehr. Durch das Patchen fehlen noch viele aus der 40er Gruppe, die für den Besuch in diser Hölle benötigt werden.
Also sucht man eine Gruppe für den "Baron". Baron Riverdale ist ein Untoter Herrscher der verseuchten Stadt Stratholme. Da dropt für mich zwar nur noch unbrauchbarer Mist weil ich schon längst vieles durch lila Epics ausgetauscht habe, aber das eine oder andere kann man im AH teuer verkaufen und so sein Konto aufbessern. Mit dem Gold werden dann andere wertvolle Gegenstände gekauft.
Nach einer Stunde Suchen hat sich eine 8er Gruppe für Stratholme gefunden. Die Hälfte will aber auch ins Kloster von Stratholme. Hmm, eigentlich will ich da gar nicht hin. Das würde den Ausflug um knapp 1,5 Stunden verlängern. Zwei sind aus meiner Gilde und könnten den Besuch im Kloster gut gerauchen. Außerdem droppen dort auch die "Rechtschaffenen Kugeln". Die bringen höllisch Gold.
Nach einer halben Stunde Anreise nach Stratholme und noch mal 1,5 Stunden Durchkämpfen durch das Kloster, ist der erste Teil fertig. Drei Leute haben keine Lust mehr. Wollen doch nicht mehr mit zum Baron, sondern schlafen gehen. Weicheier! Und warum sagen diese Nasenbären das nicht gleich am Anfang! Also zu fünft wird das nix mit dem Baron-Legen (Killen). Um Mitternacht findet man auch keinen mehr, der noch mitkommen würde, um ihn zum X. Mal das zeitliche segnen zu lassen (und das einen Untoten!).
Also geh ich noch ein bißchen Erz abbauen im "Ungoro Krater" und danach Fischen.

So gegen 1 Uhr morgens fahre ich unzufrieden meinen Rechner runter. Wieder ein Tag ohne wirkliche Ergebnisse. Ohne lila Epics. Nix, Null für mich. Immerhin hat sich das für die beiden Gildies gelohnt. Zwar kein echter Trost mich, aber was solls.
In denke noch mal kurz nach was so die nächsten Tage ansteht in WoW. Na da haben wir jeden Abend einen Termin für irgendwelche Instanzen (Dungeons). Am Wochende bin ich fast ganz tägig in WoW unterwegs. Da wird immer wieder und immer wieder die selbe Instanz gespielt. Warum? Weil da so ein Monster mit einer sehr geringen Wahrscheinlichkeit ein Buch dropt, mit dem ich mir eine super geile Verzauberung eintauschen oder kaufen kann. Jeden Tag von ca. 19 bis 1 Uhr WoW. Und das mache ich schon seit fast einem Jahr. Ich darf nicht aussetzen! Denn dann ziehen alle anderen Gildies mit ihrer Aussattung an mir vorbei und ich bin dann einer, der sehr schlecht ausgestattet ist. Eine Gurke. Ein Nichts. Ich brauch die Ausstattung, weil in einem Monat ein Content-Patch mit neuen Instanzen kommt. Genau für diese Instanzen brauch ich all diese Items. Und um diese zu bekommen, muss ich bis dahin in diese Instanzen bis ich alles zusammen habe. Alles dropt aber mit geringer Wahrscheinlichkeit. Wahrscheinlichkeit kann super gemein sein. Aber zum Glück kennen ich und meine Gildies jeden Handgriff auswendig. Kein Wunder wir waren sehr sehr oft in jeder dieser Instanzen. Um einige der Dinge durch Kauf zu erwerben, nutze ich jede andere Minute, die ich nicht in einer Instanz bin, um Sachen zu farmen (sammeln und von Monstern erkämpfen), die ich für Gold eintausche. Am liebsten verkaufe ich das Zeug an andere Spieler, die zahlen wesentlich mehr als diese Dummen Vendor (NPC-Händler). Die müsste ich wegen unsittlicher Preise verklagen können.
In einem Regal stehen einige Spiele noch original verpackt. Gekauft und wegen WoW nie gespielt.
Klaus B. hatte vor Monaten schon auf meinem AB gesprochen. Er faselete etwas davon, dass seine Freundin ihn verlassen hätte, weil er zu viel wegen WoW am Computer hängen würde. Na zum Glück hab ich keine..."

Lassen wir unseren Süchtigen mal alleine, er muss jetzt ins Bett, denn er muss um 7 Uhr auftstehen und arbeiten gehen. Ich hoffe dieser voyeuristische Einblick in das Leben unseres Süchtigen hat so ungefähr gezeigt was es bedeutet WoW-Spieler zu sein.
Für den einen wird es Warnung und für den anderen Verlockung sein. •


Anmerkungen: Ähnlichkeiten mit lebenden oder in der WoW verlorengegangenen Personen ist beabsichtigt. Leider hattte ich keinen aus Real-Life parat der dazu 100% passte.

The following two tabs change content below.

Commander Z

Bewegte Bilder mit Künstlicher Intelligenz dahinter haben mich immer schon fasziniert. Ich spiele seit Jahrzehnten schon Computerspiele und beobachte den Spielemarkt mit Spannung. Ab und an gebe ich meinen Senf dazu, in dem ich auf diesem Blog meine gedanklichen "Notizen" verewige. Meine Lieblings-Genre sind zur Zeit MMO, MMORPG, Hack&Slay, Rennspiele, RTS, TBS, Grand-Strategy und Shooter. Ich besitze zwar auch Spiele-Konsolen wie die Nintendo Wii, Sony Playstation 3, Playstation 4 und einen Nintendo DS, aber spiele auf diesen kaum bis selten.

Neueste Artikel von Commander Z (alle ansehen)

9 Gedanken zu “Killer World of Warcraft

  1. WoW4life

    Tja hab vor einem monat angefangen und bin schon lvl 60 bald 70.
    Prob is das man so schon sehen kann wie oft und lange ich spiele^^
    Nuja selbst nach erst einem monat kann ich sagen das Spiel hat mich schon "gefangen"!
    Mhm mir gehts aber noch gut freunde auch noch nich verloren hoffe das bleibt auch so xD nuja aber denke schon da ich trotz WoW meine freundschaftlichen Kontakte nicht vernachlässige.
    Also man kann auch beides kombinieren 🙂
    Einziges Problem ich habe das Programmieren vorerst eingestellt da beides zu zeitaufwändig ist um beides zu machen^^
    Also an alle leutz die aufhören wollen...kp ich weiss es auchnet xD egal spiel zerstören und deinstalieren net vergessen!
    Ansonsten wenn ihr spass dran habt dann bleibt halt dabei *daumhoch;)

    Antwort
  2. sozi

    wer bestimmt das eine freundin besser ist als wow ?
    ich bin mir sicher das wow einen menschen besser ausfüllen kann als eine freundin.
    in wow hat man einen großen freundeskreis (gilde).
    man hat klare festgesetzte ziele (dungeons/instanzen).
    man arbeitet hart, aber man wird dafür auch entlohnt, man hat seine freude bei einem neuen set (8 rüstungsteile auf einem dungeon).
    wa hat man in der realen welt ? man reißt sich den arsch auf, und was hat man davon ? nix. meist wird man am ende doch nur verarscht.

    das spiel ist toll, ziele sind klar umschreiben, sie sind real, sie sind erreichbar. keiner kann einem das ziel abspenstig machen. das spiel ist fair. alle menschen sind im spiel gleich.
    man kann mit wow ein sehr erfülltes leben führen. erfülter und zufriedener als mit dem einem oder andern sogenanten "lebenspartner".

    als gegenleistung verlangt das spiel so gut wie nichts. es verlangt ein gut was auf der welt ein jeder hat. es ist etwas was am gerächtestens verteilt ist. Es ist die Zeit. Investiere diese in das spiel, und du wirst glücklich.

    klar wirft der artikel negatives licht auf wow. aber nichts macht durchgehend spaß und erfreut einen, währe es so, würde es uns wieder langweilen. (erzählt mir ja nicht das ihr eine jahre lange beziehung habt in der es nie langweilig oder gar stressig war). aber ohne tage wie dieser (der artikel) würden die siege/erfolge im spiel niemals so gut sein.

    wer einmal im teamspeak (ja die spieler komunizieren tatsächlich miteinander per sprache^^) zu einem einmaligen ereignis war, (wie, serverweite erste onyxia kill, oder erster ragna down, oder ragna wipe mit 1%) der wird niemals wissen wieviele gefühle und emotionen mit wow verbunden werden können. die stimmung und das ereignis, sind auch im game einmalig, und das empfinden könnte man mit dem empfinden der ostdeutschen am tag des mauerdurchbruchs vergleichen. der einzige unterscheid, dort können es die menschen nachvolziehen, wenn sie aber spieler sehen schalten sie auf sturr, da sie es nciht verstehen und nciht nachvollziehen können.

    naja wie auch immer, sie werden an den tatsachen sowieso nichts ändern können. ach ja auch wens keiner glauben wird, ich war die ersten 6 monate bei wow dabei und zwar so intensiv wie es nur ging, (erfahrungen aus erster hand), war die zeit zwischen abi und uni, da wars ok. mit studiumanfang habe ich es komplett aufgegeben. von daher kenne ich sowohl ein leben vor wow, als auch ein leben in wow, und auch das leben danach.

    Antwort
  3. @Ruth: Ich habe dein Kommentar nicht ganz verstanden. Aber ich vermute du beziehst dich auf die im Beitrag erzählende *fiktive* Person. Diese Person ist _konstruiert_ aus Erzählungen und eigener Erfahrung.
    Wenn du mich meinst: Ich habe vor ca. einem halben Jahr damit aufeghört. Und ich hab weder eine Freundin verlassen deshalb, noch hat mich eine deshalb verlasen.

    Dieser Beitrag sollte nur ein zaghaft erhobener Zeigefinger sein. Zaghaft deshalb, weil man sich in dieser Gesellschaft eh nicht zum Moralisten aufspielen kann.

    Antwort
  4. Ruth

    Also deine dämliche Einstellung kann man nur belächeln!!! Wenn sich jemand aufgrund eines Spiels von einem trennt, ist es wohl klar dass dir diese Person fuc* egal war... Aber ja, such dir ne neue auch süchtige Freundin die mit dir im TS labert und ihr nicht mal was voneinander wisst. Echt wegen solcher Deppen wie dir wird sich nie was ändern!

    Antwort
  5. Oh, das tut mir leid 🙁
    Ich will dir nicht zu nahe treten oder dich verletzen, aber wenn eine Beziehung an einem Spiel zerbricht, lag da menschlich schon einiges im Argen vermute ich. Aber ich weiß es eben nicht.
    Als ich vor einem Jahr noch per Zufall auf einige Schicksalsgeschichten in Foren gestoßen bin, habe ich auch nur den Kopf geschüttelt. Doch alle Geschichten trugen diesen Unterton, dass diese Beziehung eh schon zerbrochen war oder das Scheitern an der Schule/Uni/Ausbildung eh schon sich abzeichnete.
    Oft ist exzessives Spielen nicht der Grund für irgendwas sondern nur das Symptom glaube ich.
    Wenn man Viel-Spieler kritisiert, bekommt man oft das Argument der Intoleranz anderer Lebensweisen gerne an den Kopf geworfen. Es wird die Frage gestellt: Warum soll deine Lebensweise Nicht-zu-Spielen oder Wenig-zu-Spielen mehr Wert sein oder besser sein als die des Viel-Spielers oder eben des Exzessiv-Spielers. Noch nicht mal das Argument der Zeitverschwendung zieht. Heutzutage ist alles "Zeitverschwendung" wird gegenargumentiert. Egal ob man statt WoW-Spielen Fern sieht, Bücher liest, Filme guckt, Reisen macht, Sprachen lernt oder Sportlich tätig ist. Meistens wird einem platt an den Kopf geworfen, dass nach dem Tode eh alles gleich wertvoll oder gleich wertlos gewesen ist. Das ist schon nah am Nihilismus und am Egal-Liebhaben.
    Na ja, jetzt hab ich wieder mal viel erzählt. Dir wird es wohl nicht helfen. Aber ich drück dir die Daumen und hoffe das beste für dich.
    Was bleibt ist die Hoffnung, dass Menschen im Spiel nicht sich und ihre Rest-Werte des Lebens verlieren. Zu solchen Gehören eben auch Partner, Kinder, Freunde, Arbeit oder das Sozialleben allgemein.

    Antwort
  6. Justi03

    Mein Freund und viele Seiner Arbeitskollegen spielen es auch schon sehr lange.Wir haben ein Kind im Alter von 3 Jahren.Dieses Spiel hat alles kaputt gemacht und er sieht es nicht ein. Seit 3 Wochen ist Ende im Gelände und er hat jetzt auch schon eine Neue, die auch Wow spielt Nächtelang hat er gespielt und wenn ein Anruf kam ging er sofort an seinen Computer, wie kann man so leben???

    Antwort
  7. wowsuechtiger

    muahahahahaha. ich glaube ich könnte der sein. hehe. macht gar nix. freundin ist eh weg. such mir eine die auch wow spielt dann geht alles klar.

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.